#5: Von der unvollständigen Spurensuche und anderen essayistisch-dokumentarischen Verfahren, mit Johannes Gierlinger, 12.12.2017

Der österreichische Künstler Johannes Gierlinger ist ein Träumer, könnte man behaupten. Einer, dessen Bemühung es ist, den Film als Erweiterung des Denkens betrachtbar zu machen. Es geht darum, Fragmente einer Untersuchung zu visualisieren, die Anordnung einst wenig homogener Versatzstücke liniert in die Zeitleiste zu bringen. Seine Inspiration holt er sich häufig in der Literatur, wie z.B. der experimentellen Literatur von Italo Calvino. Die Frage nach der Kombinatorik kulminiert nach etwas Freispiel in ihre eigene medienvirulente Beantwortung: Warum nicht auch den Bildern ihre Sprache zugestehen, ihre Lesbarkeit erweitert wissen? Gierlinger koppelt, löst und verschweißt meisterlich zu einem Poem voller Interpretationsvielfalt.

Eine Behauptung vielleicht, die einen Umkehrschluss auf Gierlinger gewährt? Zwei Filme wird Gierlinger präsentieren. In A subsequent fulfilment of a pre-historic wish begibt sich sich der Autor auf die Spurensuche. Ausgangspunkt ist der Tod einer Künstlerin. Der Film nimmt Bezug auf Ana Mendieta und auf die Bedeutung von Tod, Flucht, Spiritualität, Zugehörigkeit sowie auf die politische Gegebenheiten. Eine verbindende Spur, eine Zeitschleife, zwischen dem Tod einer Künstlerin und die Frage rund um Tod und Verlust innerhalb der historischen und gegenwärtigen politischen Verhältnissen. Das Lückenhafte als Verbindung zum rätselhaften unaufgeklärten Tod.

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Sein neuestes Werk hat Gierlinger noch nicht fertiggstellt. Einen Blick in seine Arbeitsweise zu Remapping the origins, wird er uns aber gewähren. Der Film ist eine essayistische Reflexion über die Geschichte und Gegenwart der Stadt Białystok. Ein ehemals multikultureller und revolutionärer Ort, an dessen Verschwinden bereits ein Jahrhundert gearbeitet wurde und der heute von nationalistischen, rechten Kräften dominiert wird. Wie lebt es sich in einer Stadt, die sich vom Pluralismus verabschiedet? Wer sind heute die VisionärInnen für Toleranz und Offenheit? Was können wir von einer ostpolnischen Stadt über den Rechtsruck in Europa lernen?

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Gierlinger wird im Anschluß für ein Gespräch zur Verfügung stehen. Der Beginn der Veranstaltung ist 19 Uhr.

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