#4: Von der Abtragung und Konstruktion von Schichten, mit Alex Gerbaulet, 14.11.2017

Alex Gerbaulet untersucht in ihren Werken die Abbildbarkeit von Erinnerung und Wirklichkeit. Dabei spielt die Festlegung auf dokumentarisches oder fiktives Material keine Rolle. Vielmehr ist das Changieren zwischen den beiden Zuschreibungen die Wirkungsdynamik, aus der heraus das oftmals sehr disparate Ausgangsfootage eine neue Betrachtungsrichtung erfährt.

 

SCHICHT_Still_05_webSämtliche Bildrechte gehören ©PONG-Berlin

SCHICHT (2015) ist ein mehrfach prämierter Kurzfilm – er bekam u.a. den Hauptpreis des Deutschen Wettbewerbs der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen. Es geht um die Aufarbeitung ihrer eigenen Vergangenheit. Alex Gerbaulet reaktiviert mit Hilfe ihres privaten Familienfundus, die Tiefen ihres Gedächtnisses. Die Stadt Salzgitter ist der geografische Austragungsort.

Ihre Arbeit TIEFENSCHÄRFE (2016/2017) befasst sich mit den NSU-Mordfällen, die zwischen 2000 und 2005 in Nürnberg verübt wurden. Gerbaulet fokussiert sich auf die Orte, an denen sie passierten. Was waren das für Orte, und was wurden sie inzwischen für Orte? Formal-ästhetisch entscheidet sich Gerbaulet für eine Perspektivenverschiebung, die auf die Narration zugeschnitten ist. Ein radikaler Eingriff, der es erlaubt, das Gewöhnliche an Bilderwartung, gegen das Subjektive und Anzweifelnde einzutauschen. Im Style Astrucs wird mit seinem caméra-stylo, so wird auch hier die Kamera zum Stift, zum Akteur, und erfährt in diesem Sinne auch selbst Zeugenschaft. Verschiebungen in das, was einst als Realität deklariert wurde, intensivieren die Dringlichkeit des Sujets, dessen Nachhall in der Öffentlichkeit ein viel zu geringer zu sein scheint.

tiefenschaerfe_banner-4Sämtliche Bildrechte gehören ©PONG-Berlin

Alex Gerbaulet Philosophie, Medienwissenschaften und Freie Kunst in Braunschweig und Wien studiert. Sie lebt und arbeitet in Berlin, u.a. bei der Filmproduktionsfirma PONG. Künstlerisch arbeitet sie im Bereich Film, Video-Kunst bzw. Installation.

Alex Gerbaulet wird ihre Filme präsentieren und anschließend für eine Diskussion zur Verfügung stehen. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr.

 

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